Vor nicht ganz 1,5 Jahren habe ich mich dazu entschlossen ein Freiwilliges Soziales Jahr zu leisten. Meine Entscheidung für das FSJ kam nicht von jetzt auf nachher… Seit ich 14 bin arbeite ich ehrenamtlich in der Kinderkirche als Mitarbeiterin. Im Laufe der Jahre engangierte ich mich auch immer mehr im sozialen Bereich. Schließlich entschied ich mich dazu Sozialpädagogik an der BA zu studieren. Doch dazu braucht man einen Ausbildungsplatz… und ihr kennt die Arbeitsmarktlage… es war einfach nichts zu machen.
Damit ich nun nicht irgendwas studiere oder gar Hartz 4 Empfängerin werde gab mir meine Ansprechpartnerin auf dem Arbeitsamt den Tipp doch ein FSJ zu machen. So sehe ich wenigstens ob mir die Arbeit im Sozialen Bereich liegt, kann einen anderen sozialen Bereich kennen lernen, sitze nicht auf der faulen Haut und verbessere meine Chancen auf eine BA Stelle (so zumindest in der Theorie… ).
Bewirbt man sich nun beim Wohlfahrtwerk, kann man sich online einen Fragebogen ausdrucken, indem man sich zwischen den verschiedenen Bereichen entscheiden kann. Mir war von Anfang an klar – ich will in keinen pflegerischen Bereich! Ich wollte etwas kreatives mit den Menschen arbeiten. Mit psychisch kranken Menschen… Psychisch Kranke aus dem Grund, weil ich die Materie so spannend finde und ich noch keine Erfahrungen damit hatte und es nun kennen lernen wollte.
Noch ein paar Fakten zum FSJ:
- Die kürzeste Zeit eines FSJ ist 6 Monate, die längste 18 Monate.
- Den Bereich, in dem man eingesetzt werden möchte kan man frei wählen (wenn freie Plätze vorhanden sind): Kinder, Altenhilfe, Behindertenhilfe, Psychatrie, Krankenhaus und Familie.
- Es gibt 25 Seminartage, die gesetzlich vorgeschrieben sind.
- Die meisten FSJler sind Mädels 
Ich hatte dann wahnsinniges Glück und bin in einer wirklich tollen Einrichtung gelandet – dem Therapeutikum Heilbronn, einer Einrichtung für psychisch Kranke mit Werkstätten und Wohungen für schizophrene Menschen. Je nach schwere der Erkrankung mit einem höheren Betreuungsgrad.
Hauptziel ist es die Menschen, bei denen eine psychische Erkrankung vor liegt sie nach einem Aufenthalt in der Psychatrie wieder fit fürs Leben zu machen. D.h. ihnen die Möglichkeit zu geben, eine Ausbildung nachzuholen oder alleine zu wohnen. Es wird Schritt für Schritt darauf hin gearbeitet, dass sie ihr Leben alleine in den Griff bekommen und auch beispielsweise die Finger von Drogen lassen.
Ich arbeitete in einer Wohngruppe, die 13 Stunden am Tag betreut wurde: Zu meinen Aufgabenbereichen gehörte es mit den Menschen, die in solch einer WG leben den normalen Tagesablauf zu “meistern”. Dazu gehört es mit ihnen gemeinsam ein Frühstück zu richten oder Arztbesuche zu absolvieren oder ganz simple Dinge wie sich eine neue Brille zu kaufen. Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, bedeuten dort viel Zuwendung, Aufmerksamkeit und im richtigen Moment gut Zureden, dass es auch klappt.
Zu einem normalen Leben, gehört auch das Putzen und wer macht das schon gerne
Als war das tägliche Thema: Wie verschwinde ich unbemerkt oder putze schnellstmöglich mit wenig Aufwand. Das kann sich dann so äußern, dass man zum kontrollieren aufs Zimmer schaut und den Rehabilitanten schlafend im Bett vor findet oder einfach niemanden mehr vorfindet.
Ich sags mal so: Es war immer was los.
Ich kann einfach nur sagen, dass dies ein wirklich schönes Jahr war. Ich hatte sehr viel Glück mit meine Kollegen und Rehabilitanten und natürlich der Einrichtung. Aber ich glaube das kann jeder haben, der sich für ein FSJ entscheidet, wenn man sich nur vorher überlegt “was will ich eigentlich?!” und vor allem: Was will ich nicht.
Weiter ist es auch sehr wichtig, dass man sich früh genug für das FSJ entscheidet um sich einen “guten” Arbeitsplatz zu sichern. Die Arbeit mit Kinder ist am schnellsten vergriffen und am längsten frei sind Plätze im Altersheim. Man kann sich auch einfach einen Platz sichern und sich parallel dazu bei verschiedenen Unis bewerben und die FSJ Stelle dann kurzfristig absagen
Das geht nämlich. 
Auch die 25 Seminartage sind im Grund nur halb so schlimm… Das erste Seminar zeichnet sich durchs kennenlernen aus und das gegenseitige beschnuppern
Gleichzeitig hat man auch zum ersten mal die Möglichkeit mit Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen und auch mit aussenstehendem Fachpersonal über verschiedene Situationen zu sprechen. In den ersten Wochen weiß ja keiner der FSJ was er da eigentlich macht, sondern arbeitet halt mal. Deswegen tut das wirklich gut gleich am Anfang eine Pause zu haben um mal richtig abzulästern 
Das gemeine an den Seminaren ist allerdings, dass man extra in Gebiete gelockt wird in denen sonst tagelang kein Mensch vorbei kommt um sich voll und ganz auf das Seminar zu konzentrieren und ja nicht auf die Idee zu kommen feiern zu gehen…
Das 2. Seminar war bei mir ein Fachseminar, wo man frei entscheiden konnte was man sich anhört und worüber man mehr wissen möchte. Das dritte Seminar ist beim Wohlfahrtswerk ein Projektseminar. Man findet sich in Kleingruppen zusammen und bearbeitet dann gemeinsam irgendein Thema, worauf man Lust hat. Meine Kleingruppe hat sich für dsa Thema “Modezeitschrift” entschieden. Also sind wir zusammen in die Stadt gefahren um Bilder in verrückten Klamotten zu schießen… Der Titel unserer zeitschrift war nämlich “Isn’t it ironic?!”. Man kann sich also denken mit welchen Inhalten die zeitschrift gefüllt wurde. Beim Posen und Fotografieren hatten wir wirklich viel Spaß, aber die wirkliche Arbeit fing danach erst an. Wir mussten die Fotos bearbeiten, Texte schreiben usw. Vorgabe war es sich mindestens 6 Stunden mit dem Projekt zu beschäftigen, bei uns waren es mit Sicherheit mehr als 12 Stunden, die wir der Fertigstellung gewidmet haben.
Die ganze zeitschrift kann ich jetzt nicht online stellen, einfach aus Gründen, der Privatspähre etc. Aber eine seite will ich euch nicht vorenthalten:

Das 4. Seminar war absolut langweilig, weil uns keine Themen mehr eingefallen sind und das 5. war ein “just-for-fun” Seminar zum Schluss, mit geilen Aktionen wie z.B. Besuch eines Hochseilgartens.
Mein Fazit zum Schluss: Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen ein FSJ zu machen. Nach der Schule ist das einfach ein guter Weg, das richtige Leben kennenzulernen, sich ein wenig Geld zu verdienen und etwas Gutes zu tun. Wenn man sich vorher genau überlegt was man sich davon erhofft und was man kennen lernen möchte, findet man auch eine Stelle, die zu einem passt.
Ich habe es (fast) nie bereut, dass ich mich dazu entschieden habe, habe sehr viel fürs Leben gelernt und wenn ich jetzt nicht aufhöre darüber zu schreiben, muss ich weinen.
Und übrigens: Ich arbeite dort weiter als Aushilfe 



Coole Sache, das mit dem FSJ! Wenn du anfängst, an der BA zu studieren, wird es dir sicher auch nicht so gehen wie dem “Musterstudenten” hier:
http://www.doktus.de/dok/14271/tagebuch-student.html