Ich habe ja schon einiges über mein Praktikum im Jugendamt geschrieben, jedoch kein abschließendes Resumee. Auf die Idee das jetzt noch zu bloggen bin ich gekommen, weil ich gerade auch die letzten Sätze meines Praktikumsberichtes dafür geschrieben habe.
Nun muss man zwei Seiten bedenken: Die eine Seite ist die, dass das Jugendamt so freundlich war mich vier Wochen als Praktikanten aufzunehmen, mir Einsicht in die Akten und das ganze Geschehen im Allgemeinen Sozialen Dienst ermöglicht hat. Praktikanten machen natürlich immer mehr Arbeit, weil man alles erklären muss, als wie wenn man alleine seine Arbeit erledigt.
Es gibt aber auch die andere Seite… und die andere Seite ist die, dass es verschiedene Arten von Menschen und Gruppen gibt, die man persönlich nicht mag, und dass es natürlich auch Arbeitsweisen gibt, die man nicht verstehen kann und dass es manchmal schwer ist Kritik auszudrücken.
Fangen wir mal bei der ersten Seite an. Ich fands sehr informativ im Jugendamt zu arbeiten. Ich habe auch viel gelernt, wobei ich auch vieles einfach schon aus den Rechtvorlesungen wusste. Jetzt habe ich eben noch dazu gelernt wie das umgesetzt wird. Außerdem habe ich gelernt, dass Beamte ihren Ruf nicht von ungefähr haben… *hust* Wer kommt schon morgens zur Arbeit und macht erstmal ne halbe Stunde Frühstückspause…
Und nun zur anderen Seite. Ich drück mich mal diplomatisch aus: Ich sage jemanden nicht, was ich denke, wenn er dir noch ein Zeugnis ausstellen muss. Worüber man sich natürlich ärgert, wenn das Zeugnis dann schlecht ist.
Und ich frage mich auch, was solche Sätze im Praktikum zu suchen haben: “Ich hab mir auch gedacht, ich erklär dich einfach nichts mehr. Du wirst schon fragen, wenn du was nicht weißt.” Und das nur weil mir nach jedem Gespräch nicht auf anhieb 10 Fragen eingefallen sind. Danach habe ich mir die dümmsten Fragen überlegt, nur damit sie mir wieder von sich aus was erklärt. Hallo? Muss ich denn zu allem ne Frage haben, nur damit man mir Sachen erklärt? Wo steht das überhaupt im Verhältnis zueinander? Natürlich stellt man Fragen, wenn man was nicht weiß, aber das hat doch nichts mit dem allgemeinen erklären von Dingen zu tun. Oder?
Und das nächste ist: “Sei doch offener” Gegenfrage: “Wie denn?” Was soll ich denn als Praktikant mich in Beratungsgespräche einmischen, die mit Menschen statt finden, die einem das innerste ihres Herzens / Leben ausschütten, die ich selbst das erste mal sehe. Und wäre das dann überhaupt offener? Und sollte man nicht bei jemandem, der noch studiert, dabei unterstützen ihn in die Gespräche zu integrieren?
Diplomatie hin oder her: In meinem letzten Praktikum war ich zum Abschied beim Bäcker und habe Süßstücken für das Abschiedgespräch gekauft und dann Kaffee gekocht. In diesem Praktikum habe ich nicht mal dran gedacht auch nur was zu backen, damits günstig bleibt. Das sagt alles, oder?!
Ich habe echt was gelernt: Wie ich nie werden will… Verstehs nicht falsch, ich bin dankbar für alles, aber es gibt so Menschen, deren Arbeitsmoral passt nicht in das was ich unter Sozialer Arbeit verstehe.
Vielleicht liegts auch an mir… darüber denke ich heute schon die ganze Zeit nach. Inwiefern hätte ich was anders machen können… aber ich bin nun mal auch wie ich bin. Bin eher zurückhaltend, bis ich mich wo wohl fühle und mich auch mehr traue aus mir rauszugehen.
Dann noch die Rolle als Praktikant. Die ist nun mal auch nicht leicht. Und auch nicht in Bereichen wo Leute über wirklich schreckliche Dinge erzählen, die ihnen passieren. Wie verhalte ich mich da? Ich bin noch nicht fertig ausgebildet. Ich betrachte bewundernd die Fragen und die Gesprächsführung der Sozialarbeiter, und bestaune wie souverän sie manche Situationen meistern. Ich bin aber auch an einem Punkt, wo ich mich ein wenig auskenne und manche Situationen als völlig falsch behandelt sehe. Oder wo ich mich selbst frage: Würde ich nicht auch irgendwann genauso reagieren, wenn ich stärker involviert wäre?
Hab ich wirklich zu wenige Fragen gestellt, sodass man mich damit bestrafen kann, indem man mir nichts mehr erklärt? Und ist es wirklich so schlimm, wenn man eine ruhige Person ist, dass man das negativ in die Bewertung aufnimmt?
Ich weiß es nicht und ich bin gespannt was mein Professor dazu sagt, wenn er meinen Bericht liest und was meine Komilitonen sagen, wenn ich mein Referat darüber halte…
Bitte lest auch Teil 2 dieses Artikels! Tipps und Tricks auf dem Weg zum Praktikum!




Whow, beeindruckend formuliert!
Eine wirklich sehr seltsame Einstellung, nichts mehr zu erklären, weil man keine Fragen stellt. Da habe ich in meinem Praktikum ne andere Erfahrung gemacht. Fragen stellen schön und gut, aber manchmal muss man eben erst ein bisschen darüber nachdenken… und manchmal bleiben eben keine Fragen.
Werd bloß nicht so wie die!
Wirklich eine sehr komische Art nichts ohne Fragen zu erklären. Wer weiß vielleicht wollte sie damit nur ihr eigenes Unvermögen überspielen dir nichts lehren zu können


Aber auch schlechte Vorbilder können einen weiter bringen und wenn es nur zur Aussage “So will ich nie werden” führt
Ich bin auch sehr gespannt was dein Professor und deine Kommilitonen zu deinen Erlebnissen sagen – ich hoffe du berichtest
Ich hab heute auch ein 6wöchiges Praktikum beendet und bin darüber sehr traurig, so unterschiedlich sind die Erfahrungen, hm?!
Ich wollte ursprünglich auch ins Jugendamt, aber meine Bewerbung hat denen wohl nicht gepasst. Vielleicht sollte ich froh sein, ich hätte mich in Beratungsgespräche genauso wenig einbringen können, wie auch du. Woher auch? Berufspraxis fehlt und (zumindest bei uns) ist ein Studium viel zu theoretisch, als dass ich sofort mit zufriedenstellender Leistung in ein Beratungsgespräch einsteigen könnte. Im Übrigen fände ich das den “Kunden” gegenüber auch nicht prickelnd. Ich würde da nicht sitzen wollen und meine tiefsten Herzesängste ausschütten und dann von einer Praktikantin beraten werden (ich war ja nun selbst eine, ich denke, du verstehst, wie das gemeint ist, dass ist ja nichts persönliches!).
Nimm dir das schlechte Bild nicht so mit und steck das auf alle. Ich habe Beamte erlebt, die ihren Schluck Kaffee im Gehen eintrichtern mussten, weil die vor Arbeit erstickt sind.
Da hast du einfach schlechte Erfahrung mit einem Menschen gehabt, der eben so ist, wie er ist. Woanders hättest du vielleicht diese Erfahrung nicht gemacht, weil man da Praktikanten gegenüber aufgeschlossener ist und keine ausgebildeten Super-Sozialarbeiter erwartet. *hm*
Bei mir wurde übrigens beim ersten Praktikum auch rumgenörgelt, dass ich zu wenig Fragen stelle.Ich soll doch endlich mal was fragen, ob mich das gar nicht interessieren würde. In dem Bereich gab’s halt für mich nicht so viel zu fragen, ich habe da lieber beobachtet. Naja! Ich war da allerdings auch froh, als ich gegangen bin. Ich denke, wenn man sich wohl fühlt, dann sprudeln auch viel mehr Fragen aus einem raus … weil sich so die Gespräche auch viel besser entwickeln – was ich jetzt beim zweiten Praktikum gemerkt hab, da fiel’s mir auch leicht, in einer Tour Fragen zu stellen, dafür war ich heute beim Gehen aber auch echt traurig, dass es vorbei war.
Ach ja, das hatte ich gar nicht dazu geschrieben. Ich war in der Agen.tur für Arb.eit.
Schade, hört sich nicht so gut an. Aber so lernt man zumindestens wie man es nicht gut findet und das ist ja letztendlich auch eine wichtige Erfahrung.
Das mit den “Du stellst keine Fragen” kenne ich. Das habe ich auch mal gehört. Wobei ich die Erfahrung gemacht habe dass es unterschiedliche Gründe gibt weswegen jemand keine Fragen stellt und mit ein bisschen Einfühlungsvermögen und offenen Augen erkennt man das in der Regel auch. Wenn ich jemanden etwas erkläre und er nicht fragt ist es natürlich möglich dass er kein Interesse hat und eh nicht richtig zu hört, aber vielleicht hat man es ja auch gut erklärt und es bleiben erstmal keine Fragen offen oder man hat es nicht toll erklärt, aber die andere Person kann sich das selbst zusammenreimen (aufgrund von Ausbildung oder Intellekt). Oder jemand ist einfach schüchtern und dann sollte man versuchen auf die Person zuzugehen. Nichts zu erklären um Fragen zu erzwingen ist schon ne merkwürdige Methode. Wenn du das als Kritikpunkt an dir siehst solltest du dich vielleicht fragen wieso du keine Fragen gestellt hast und soweit es nicht Desinteresse ist (davon gehe ich mal aus) oder Schüchternheit, kann das ja auch ein gutes Zeichen sein.
Na toll. Da hat sich das Praktikum ja wirklich gelohnt! Ich find das immer schade, dass mit Praktikanten so umgegangen wird. Schließlich wollen diese ja schauen wie das Berufsfeld ist und was alles so passiert. Wenn die dann mit einem schlechten Bild wieder rausgehen… Nicht gut! Lass den Kopf nicht hängen! Ich denke in jedem Jugendamt ist es anders und nicht jeder hat die Geduld einen Praktikanten bei sich zu haben und diesen zu betreuen!
Muss also nicht unbedingt an dir gelegen haben!!!!
In meinem letzten Praktikum meiner Erzieherausbildung erging es mir ähnlich – vorher hatte nie jemand ein Problem mit meiner ruhigen Art und ich hab sehr gute Bewertungen bekommen. Im letzten störte das meine Anleiterin so sehr, dass sie mir praktisch ein vernichtendes Urteil gab, weil ich zu ruhig war, nicht genug Fragen gestellt hatte etc. pp.
Ich würde mal behaupten – weil du dich fragst, ob es an dir liegt – nein! Auch wenn ich mir diese Frage anfangs auch gestellt habe, mittlerweile bin ich aber überzeugt, dass solche Menschen einen nur irgendwie nicht leiden können, weil man nicht genau so ist, wie sie es haben wollen
@maybejam: Das ist so formuliert wie ich es denke und fühle.
@Konna: Eben. ich hab nicht zu allem ne frage und vor allem nicht, wenn ich davor über ne stunde lang eine Akte über die Person gelesen hat.
@Antje: Sie hat sich ja extrem schlau gefühlt. Weil sie auch mal ein praktikum im Jugendamt während ihres Studiums gemacht hat und da so herausragend war. Na ja… Arroganz *hust*
@Sue: Ich versteh dich schon richtig.
ich nehm mich als Praktikant auch nicht zu wichtig und auch echt noch nicht in der Lage dazu mich in beratungsgespräche einzumischen.
@Bioschokolade: Ich habe oft keine Fragen gestellt, weil mir soweit alles klar war. Immerhin hatte ich 2 Rechtvorlesungen, die praktisch das Ganze abgedeckt haben und dazu noch x-vorlesungen über das Jugendamt. Ich wusste also schon größtenteils bescheid. Und was soll ich denn fragen nachdem ich die Akte gelesen hab und beim Gespräch dabei war. Ich finds echt schwierig… und Desinteresse war es wirklich nicht
@Steffi: Das lustige war ja, dass siein dem Jugendamt extrem über ein anderes Jugendamt hergezogen haben. Aber na ja.. ich hab nichts allgemein gegen das Jugenamt, aber v.a. gegen diese eine Person, meine Anleiterin.
@Hikari: Genau. Ich war nämlich nicht wie sie. Und ich bin auch nicht so ruhig, wenn ich mich wo wohl fühle oder auch das gefühl bekomme nicht ganz unnütz zu sein.
[...] habe jetzt auch meinen zweiten Praktikumsbericht also den übers Jugendamt, fertig geschrieben und werde ihn morgen abgegeben. Damit habe ich eigentlich alles erledigt, was [...]
Ich habe übrigens vor kurzem den Vortrag über mein Praktikum im Jugendamt gehalten. Meine Komilitonen waren auch geschockt über die Art meiner Anleiterin und haben das auch sehr verständnisvoll aufgenommen. Mein Prof hat mir eher Tippy gegeben wie ich das nächste mal reagieren kann, um jemanden auf der Fachlichen Ebene in Grund und Boden zu reden.
Na ja… die Note bekomme ich vielleicht schon nächsten Donnerstag, dann werde ich bestimmt nochmal drüber bloggen. Nur so als kleine Vorankündigung!
[...] habe ich mein Resumee über mein Praktikum im Jugendamt im letzten Blogeintrag dazu beendet. Nun habe ich all dies erledigt: Ich habe ein Referat [...]
[...] Studiums ein Praktikum im Jugendamt absolviert. Abschließend habe ich darüber auch einen Bericht geschrieben, der alles enthielt, was mir persönlich missfallen hat und was mich an diesem [...]