Der erste Tag im 5. Semester ist geschafft!

12. Oktober 2009 in Campus Leben

Solangsam erkläre ich den ersten Tag in meinem 5. Semester für beendet. Ich habe gerade noch ein wenig im ADHS-Reader geschmöckert und ich denke das reicht auch für den ersten Tag. Ein Reader ist übrigens eine Zusammenstellung an Texten, passend zur Vorlesung, den wir uns kaufen müssen, um die Vorlesungen vor- und nachzubereiten und um uns zu informieren.

Ich freue mich im Moment am meisten auf die ADHS Vorlesung… das war heute wirklich klasse. Ich habe ja schon befürchtet, dass das so wird, dass wir mit irgendwelchen Tatsachen bombadiert werden, dazu ein paar Symptome und Behandlungsmöglichkeiten erfahren und das ganze dann beendet ist. Dem ist aber nicht so!

Die Professoren (es sind gleich zwei), ein Pädagoge und ein Mediziner, stehen dem Thema sehr kritisch gegenüber. So haben wir uns heute schon ein wenig in das Thema eingearbeitet, haben die Symptome auseinander genommen und ein paar Studien darüber erfahren. Es geht also nicht darum, alles so zu glauben, wie es da steht, sondern alles kritisch zu hinterfragen und die unterschiedlichsten Informationen

Ich selbst bin ja wahnsinnig kritisch was dieses Thema angeht. Ich glaube, dass das viel zu oft diagnositiziert wird und auch jeder Depp sich plötzlich einbildet ADHS diagnostizieren zu können. Außerdem finde ich es bescheuert Kindern dauerhaft auf Medikamente zu setzen, anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Aber stimmt schon – ruhig stellen geht einfacher und schneller.

Gut, das ist jetzt meine laienhafte Meinung dazu, aber ich finde, dass sich heute schon herauskristallisiert hat, dass ich mit meinem Gespür in diese Richtung nicht ganz falsch liege. Und Kritik definitiv angebracht ist.

Beispiel. Während meines Praktikums auf dem Jugendamt hatten wir es auch mit einem Kind zu tun, das ADHS hat. Wir hatten dann eine Hilfeplankonferenz auf der alle möglichen Menschen (seine Eltern, eine Lehrerin, eine Betreuerin, Tante vom Jugendamt und ich) mit dem Jungen zusammen über ihn gesprochen haben. Bzw. am anfang wurde der Junge befragt, danach haben nur noch die Erwachsenen über ihn gesprochen. Das ganze ging dann bestimmt 1,5-2 Stunden… währenddessen, ihr könnt es euch ja vorstellen, war der Junge unruhig, hat mal aus dem Fenster geschaut, ist mal zu seinen Eltern, hat mal was gegessen usw.

Nach der Besprechung hat mich die Tante vom Jugendamt dann gefragt wie ich es fand. Ehrlich wie ich bin, habe ich halt geantwortet, dass ich nicht gesehen habe, wieso der Junge ADHS haben sollte…. da schaute sie mich ganz entgeistert an wie ich das denn nur denken kann. Das wurde festgestellt und ich soll doch nur mal schauen wie sich der Junge die ganze Zeit verhalten hat.

Ja mal ehrlich: Der Junge ist 7 oder 8 Jahre alt und ist unruhig, wenn 6 Erwachsene in einem Raum über ihn reden und das noch über zwei Stunden lang! Hallo??? Ist das nicht normal? Welches Kind sitzt denn da still rum?

Naja, nachdem sie damals ziemlich böse mit mir war, weshalb ich als Student es wagen kann, sie und all die anderen wichtigen Menschen, die das alle glauben so in ihrer Autorität zu untergraben, dachte ich ich nutze die Gelegenheit beim Schopf und informiere mich jetzt richtig über ADHS.

Und ich bin wirklich erleichtert, dass mein Prof das genauso sieht und selbst auch sehr kritisch an das ganze Thema herangeht.

Deswegen freue mich auf diese Vorlesungen Und morgen gehts weiter. Aber jetzt gehts erstma isn Bett. Es ist dann doch ungewohnt stressig dauerhaft so konzentriert zu sein.







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7 Kommentare zu “Der erste Tag im 5. Semester ist geschafft!”

  1. Kommentar von Antje am 12. Oktober 2009

    Unser Sohn wurde auch durch seine Grundschullehrerin auf ADHS untersucht (sie lies mir einfach keine Ruhe). Er war und ist aber “nur” ein sehr lebhaftes, sensibles und manchmal auch nerviges Kind
    Ich bin auch der Meinung das manche Menschen (gerade überforderte Lehrer) gerne mal vorschnell urteilen und es sich “einfach” machen mit der Diagnose ADHS

  2. Kommentar von Steph am 13. Oktober 2009

    Mutig, mutig! Ich find es richtig gut, dass du im Jugendamt deine Meinung gesagt hast! Denn du hast vollkommen recht, ADHS wird viel zu häufig diagnostiziert. Meistens leiden die Kinder einfach nur darunter, dass sich die Eltern keine Zeit mehr für ihre Sprösslinge nehmen und das zeigen sie durch Verhaltensauffälligkeiten. Anstatt sich dann mit den Kindern ausgiebig zu beschäftigen werden sie mit Tabletten gefüttert (womit ich nicht sagen will, dass es in allen Fällen so ist).

    Wobei ich denke, dass es sich in Dtl. im Vgl. zu den USA noch in Grenzen hält. Dort wird ja praktisch jedem Kind bei der Geburt schon eine Dose Tabletten geschenkt!

    Ich fände es sehr schön, wenn du uns im Verlauf des Semesters an deinen Erkenntnissen teilhaben lässt und nochmal was zu dem Thema schreibst

    LG

  3. Kommentar von Tanja am 13. Oktober 2009

    Hey, das hast du gut gemacht. Wenn sie dich frag, dann kannst du auch deine Meinung kundtun. Muss dich ja nicht schämen deshalb. Dann soll sie dich das nächste Mal gar nicht mehr fragen, wenn ihr eh nicht recht ist, was du sagst!

  4. Kommentar von Katharina am 13. Oktober 2009

    Wenn ich so etwas lese, glaube ich manchmal ich hätte die Ausbildung zur Erzieherin damals doch nicht aufgeben sollen. Es vielleicht nur an einer anderen Schule oder Umgebung probieren sollen. Mit solchen Leuten hatte ich es dann auch zu tun, ich kann dir Geschichten erzählen… . Habe dann als Praktikantin auch mal meine Meinung gesagt und mir wurde dann mitgeteilt: Mir würde das nötige Feingefühl fehlen und ich wäre ja nicht für diesen Beruf geeignet.

  5. Kommentar von bibliothek am 14. Oktober 2009

    sehr schöner Beitrag. Weiter so.

    Gruss

  6. Kommentar von Mo am 19. Oktober 2009

    Nur weil ein Kind nervös ist, muss man es doch nicht gleich mit Medikamenten ruhig stellen. Zucker und Medienkonsum reduzieren und das Kind nach draußen zum spielen schicken dürfte bei den meisten auffälligen Kindern schon eine erhebliche Besserung bringen.

    Aber vielen Eltern ist es heut zu Tage ja viel zu aufwändig sich mit ihrem Kind richtig auseinander zu setzen, da kommen die Medis genau richtig. Schnell und einfach.

    Bin selbst diagnostiziertes ADHS-Kind. Meine Eltern haben damals (vor über 25 Jahren) aber dem Kinderarzt und den Medis eine Absage erteilt. Aus mir ist trotzdem was geworden…behaupte ich einfach mal

  7. Kommentar von Lysanthus am 29. Oktober 2009

    Hallöchen!
    Ich komme mir so herrlich jung vor, wenn ich Deinen Blog lese

    So, im ernst: Ich finde Deine Meinung verdammt gut zu diesem Thema, liegt daran, dass mein Ex Mann unserem Sohn auch gerade diese Krankheit aufschwatzen will, weil er nicht wahrhaben möchte, das einfach nur eine Lernschwäche vorhanden ist, blabla, lange Geschichte…

    Bleib bei deiner Meinung, bleib bei deinem Blog und weiter so, ich werde ab sofort öfter kommen und dich auf meinem Blog verlinken!!!
    LG Dani

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