Solangsam erkläre ich den ersten Tag in meinem 5. Semester für beendet.
Ich habe gerade noch ein wenig im ADHS-Reader geschmöckert und ich denke das reicht auch für den ersten Tag. Ein Reader ist übrigens eine Zusammenstellung an Texten, passend zur Vorlesung, den wir uns kaufen müssen, um die Vorlesungen vor- und nachzubereiten und um uns zu informieren.
Ich freue mich im Moment am meisten auf die ADHS Vorlesung… das war heute wirklich klasse. Ich habe ja schon befürchtet, dass das so wird, dass wir mit irgendwelchen Tatsachen bombadiert werden, dazu ein paar Symptome und Behandlungsmöglichkeiten erfahren und das ganze dann beendet ist. Dem ist aber nicht so!
Die Professoren (es sind gleich zwei), ein Pädagoge und ein Mediziner, stehen dem Thema sehr kritisch gegenüber. So haben wir uns heute schon ein wenig in das Thema eingearbeitet, haben die Symptome auseinander genommen und ein paar Studien darüber erfahren. Es geht also nicht darum, alles so zu glauben, wie es da steht, sondern alles kritisch zu hinterfragen und die unterschiedlichsten Informationen
Ich selbst bin ja wahnsinnig kritisch was dieses Thema angeht. Ich glaube, dass das viel zu oft diagnositiziert wird und auch jeder Depp sich plötzlich einbildet ADHS diagnostizieren zu können. Außerdem finde ich es bescheuert Kindern dauerhaft auf Medikamente zu setzen, anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Aber stimmt schon – ruhig stellen geht einfacher und schneller.
Gut, das ist jetzt meine laienhafte Meinung dazu, aber ich finde, dass sich heute schon herauskristallisiert hat, dass ich mit meinem Gespür in diese Richtung nicht ganz falsch liege. Und Kritik definitiv angebracht ist.
Beispiel. Während meines Praktikums auf dem Jugendamt hatten wir es auch mit einem Kind zu tun, das ADHS hat. Wir hatten dann eine Hilfeplankonferenz auf der alle möglichen Menschen (seine Eltern, eine Lehrerin, eine Betreuerin, Tante vom Jugendamt und ich) mit dem Jungen zusammen über ihn gesprochen haben. Bzw. am anfang wurde der Junge befragt, danach haben nur noch die Erwachsenen über ihn gesprochen. Das ganze ging dann bestimmt 1,5-2 Stunden… währenddessen, ihr könnt es euch ja vorstellen, war der Junge unruhig, hat mal aus dem Fenster geschaut, ist mal zu seinen Eltern, hat mal was gegessen usw.
Nach der Besprechung hat mich die Tante vom Jugendamt dann gefragt wie ich es fand. Ehrlich wie ich bin, habe ich halt geantwortet, dass ich nicht gesehen habe, wieso der Junge ADHS haben sollte…. da schaute sie mich ganz entgeistert an wie ich das denn nur denken kann. Das wurde festgestellt und ich soll doch nur mal schauen wie sich der Junge die ganze Zeit verhalten hat.
Ja mal ehrlich: Der Junge ist 7 oder 8 Jahre alt und ist unruhig, wenn 6 Erwachsene in einem Raum über ihn reden und das noch über zwei Stunden lang! Hallo??? Ist das nicht normal? Welches Kind sitzt denn da still rum?
Naja, nachdem sie damals ziemlich böse mit mir war, weshalb ich als Student es wagen kann, sie und all die anderen wichtigen Menschen, die das alle glauben so in ihrer Autorität zu untergraben, dachte ich ich nutze die Gelegenheit beim Schopf und informiere mich jetzt richtig über ADHS.
Und ich bin wirklich erleichtert, dass mein Prof das genauso sieht und selbst auch sehr kritisch an das ganze Thema herangeht.
Deswegen freue mich auf diese Vorlesungen
Und morgen gehts weiter. Aber jetzt gehts erstma isn Bett.
Es ist dann doch ungewohnt stressig dauerhaft so konzentriert zu sein.
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