Für mich stellt es immer so einen Unterschied dar, ob ich bei Twitter zugebe, dass ich das Dschungelcamp gucke, oder ob ich das Thema tatsächlich in meinen vermeintlich tiefsinnigen Blog packe. Ich habe mich heute dazu entschlossen auch darüber zu bloggen, weil mir gewisse Statisiken Mut machen, dazu zu stehen. Die besagen nämlich, dass das Dschungelcamp aka Ich bin ein Star – holt mich hier raus von den unterschiedlichsten Schichten geschaut wird und deshalb nicht als Unterschichten-Fernsehen bezeichnet werden kann. (1)
Ich bin ja selbst ein Verfechter von Unterschichten Fernsehen und wer dauernd darüber twittert was mittags bei RTL-Sendungen passiert wird gnadenlos entfolgt. Das hat aber einen anderen Grund. Dieses so genannte Unterschichten-Fernsehen finde ich deshalb so bescheuert, weil es eben nur Schauspieler sind, die eine erfundene Geschichte spielen. Das wird so aber nicht kommuniziert. Kommuniziert wird, dass es das wahre Leben darstellt. Das wahre Leben von assozialen ALGII Empfängern, die fett und ekelhaft sind, Kinder haben die Kevin und Chantal heißen und den ganzen Tag nur saufen und Fernsehn schauen. (2)
Dieses vermeintlich wahre Bild prägt dann unsere Sicht auf ALGII Empfänger. Ob es wahr ist oder nicht interessiert dann keinen mehr. Dann fragen sich die Deutschen nur noch, warum die überhaupt so viel Geld bekommen, wenn sies sowieso nur versaufen. Wieso wehren sich die Unterschichten für die dieses Fernsehen gemacht wird, eigentlich nicht dagegen und sagen “Hey bei uns läufts anders ab!”??
Genauso ist das bei Deutschland sucht den Superstar. Da wird kommuniziert, dass alle vor die Jury dürfen um vorzusingen und die entscheidet dann wer weiter kommt. Viel eher ist es doch so, dass es vorab eine Entscheidung gibt wer vor die Jury treten darf und wer nicht. Da kommen dann diese ganzen schlechten Sänger weiter, weil es so witzig und unterhaltsam ist sich über arme Geschöpfe lustig zu machen. Wieso also dieses gestellte und immer gleiche vermeintlich lustige anschauen? (3)
Und wie unterscheidet sich das Dschungelcamp nun vom Rest? Es fällt einfach nicht in diese Kategorie Unterschichten Fernsehen, weil es mehr Realität und Wahrheit enthält als der Rest. Klar ist es auch zusammen geschnitten und alles. Aber wir wissen wer die Stars sind, dass sie natürlich versuchen ihr Image aufrecht zu halten und dass sie es für das Geld tun. Du kannst quasi dabei zuschauen, wie die Fassade der Stars zu bröckeln beginnt und sie anfangen die Fassade und Fassung zu verlieren.
Wegen mir müssten da keine extrem ekelhaften Prüfungen geschehen. Ich schaue nicht gerne dabei zu wie jemand Känguru-Hoden ist, vor allem weil das auch nicht mit meinem Verständnis von Tierliebe zusammen passt. Ich schaue es mir an wegen der Menschen und dem echten Zwischenmenschlichen.
Und natürlich weil das Lästern so viel Spaß macht. Und das beste daran ist, das ist kein Lästern über Menschen, die noch nie vor einer Kamera standen. Es ist ein Lästern über Menschen, die daran gewohnt sind und von vorne herein realitisch einschätzen konnten, auf was sie sich da einlassen. Es kann natürlich schon sein, dass eine Sarah später zusammenbricht, wenn sie merkt, dass sie durchschaut wurde. Aber so dumm, dass sie nicht daran denkt, dass es Aufzeichnungen vom VOX Promidinner gibt, wo sie noch Fleisch ist, kann sie gar nicht sein. Auch sie wird wissen wie genau diese Informationen beim Zuschauer ankommen und sie hat sich darauf eingelassen. (4)
Wie steht ihr zum Dschungelcamp?
Quellen:
(1) Der Dschungel und die Mär vom Unterschichtenfernsehen
(2) “Mitten im Leben” bei RTL: Mit Fakes zum Erfolg
(3) DSDS: Alles nur Fake?
(4) Enthüllungsjournalismus – Nackte Tatsachen über Sarak Knappik