JMStV – ein Wort, das gerade im Internet kursiert. Gefüllt mit Angst, Unklarheiten, Unwissen und vor allem mit einer großen Unsicherheit, wie es mit dem Internet und den Blogs weiter geht.
Was bedeutet JMStV eigentlich? “Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) enthält Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Es legt Anbietern von Medien (z.B. TV, Radio, Kino, Spiele, Internetdienste) Pflichten auf, die helfen sollen, Kinder und Jugendliche von entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten fern zu halten.” (Quelle)
Den gibt es bekanntlich schon länger, richtet sich nun aber an alle Anbieter von Inhalten im Internet. Für uns Blogger bedeutet das in der Konsequenz so wie es verstanden habe, dass wir kontrollieren sollten wer unseren Blog liest. Und wenn unser Blog nicht für bestimmte Altersgruppen geeignet ist, sollten wir Zugangssperren errichten. Dazu müssen wir aber einschätzen für welche Zielgruppe der Blog nicht geeignet ist. Hier gibt es allerdings schon Statistiken, die besagen, dass 80% genau diese Einschätzung falsch treffen würden. Wir können aber auch einen Jugendschutzbeauftragen ernennen.
Für weitere und ausführlichere Informationen empfehle ich euch diesen Artikel.
Was wird also die Konequenz aus dieser Aktion sein? Dass wir nur noch mit dem Perso vor dem Rechner sitzen um zu bestätigen, dass wir schon volljährig sind? Oder dass wir unserer Lieblings-Blogs nur noch ab 22 Uhr besuchen können? Welche Konsequenz haben solche Einschränkungen für Abos via RSS? Fragen über Fragen, die sich vielleicht am 1. Januar 2011 klären werden.
Und was bedeutet das für die Kinder/Jugendlichen ab 2011? Wie ihr vielleicht noch wisst beschäftigt sich meine Bachelor-Arbeit mit dem Thema “Web 2.0 als Herausforderung für die (Medien-)Pädagogik). Demnach habe ich mich sehr intensiv mit genau dieser Thematik beschäftigt. Welchen Nutzen bietet das Web 2.0? Welche Risiken bietet das Web 2.0? Aber auch, welche Möglichkeiten haben Pädagogen um Kinder für einen souveränen Umgang mit dem Internet zu schulen.
Theunert formulierte 2009 als einen möglichen Leitspruch für die Medienpädagogik: “Ziel der Medienpädagogik ist es, Menschen für ein souveränes Leben mit Medien stark zu machen.” (Theunert 2009, S.199) Der Satz impliziert zum einen, dass das Leben mit den Medien statt findet und nicht ohne. Und zum anderen, dass das Leben auch im Internet statt findet. Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit im Internet. Pädagogen kommen hinzu, wenn sie sagt “stark machen”. Wir können Kinder stark machen! Wir müssen Kinder nicht schützen und die Augen zuhalten und denken, Wenn ihr 18 seit werdet ihr schon damit klar kommen. Wir können jetzt mit den Kindern und Jugendlichen reden, Gefahren aufdecken, Lösungsstrategien und einen sensiblen Umgang entwickeln.
Was machen wir denn wenn wir so ein Gesetz verabschieden? Wir gehen Defizitorientiert an die Kinder heran. Dabei müssen wir doch an die Ressourcen der Kids, sowie an ihre schon bestehenden Erfahrungen und ihr Wissen anknüpfen! Wir können doch nicht davon ausgehen, dass die Kids grundsätzlich dumm sind oder keinen Ansprechpartner haben, wenn sie Fragen haben.
Gapski und Gräßer entwickelten den Gedanken Medienkompetenz 2.0, aufgrund des Web 2.0. Diese liegt für sie vor allem dann vor, „wenn das eigene Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement erfolgreich und unter Reflektion der intendierten wie möglichen unintendierten Folgen geschieht.“ (Schmidt/Lampert/Schwinge 2010, S.267)
Und genau dahin sollten wir hinarbeiten, sodass Kinder und Jugendliche genau das erfolgreich schaffen können! Diese Kompetenzen sind aber nicht nur im Web 2.0 wichtig und notwendig. Aufgrund der Veränderungen innerhalb der Gesellschaft wird auch vom Individuum mehr innerhalb seiner „Lebens- und Arbeitswelt“ (ebd., S.262) erwartet. Es ist nämlich wichtig, dass der Mensch ein Sozialkapital aufbaut! Durch das Web 2.0 lernen die Kids den Umgang mit Menschen, wie kann ich lockere Kontakte aufbauen, diese halten, ggf. auch wieder beenden. Dinge, die man in der heutigen Zeit benötigt. Oder warum pflegen wir sonst unseren Account auf Xing?
Was sollten wir also tun? Wir sollten den Kids einen Raum schaffen, indem sie diese Komeptenzen erlernen. Einen begleiteten Raum zur Reflexion, zum Erfahrungen machen usw. Ob das nun in der Schule oder Jugendarbeit oder durch die Eltern geschieht ist meiner Meinung nach egal. Hauptsache es geschieht und hält die Kinder nicht für dumm und denkt, dass übergeordneter Schutz das beste Heilmittel sei. So können wir die Jugendlichen dabei unterstützen zu lernen wir man sich partizipiert, einen kritischen Umgang zu lernen, zu reflektieren, auch mit kritischen Situationen lernen umzugehen, das Wissen was mache ich im Ernstfall? Und vieles vieles mehr.
Aus diesen Gründen verstehe ich dieses neue Gesetz nicht wirklich. Ich verstehe, dass man irgendwie versuchen möchte die Kids zu schützen. Aber irgendwo muss man auch realistisch sein und denken, dass es noch mehr Menchen da draußen gibt, die ihre Rechte, z.B. auf freie Meinungsäußerung, wahr nehmen möchten. Und ich möchte genau das in meinem Blog tun! Ich möchte ohne Angst vor einer Klage bloggen können! Ich möchte nicht vor einem Gesetz sitzen und mich fragen was ich nun zu tun oder zu lassen habe oder wie ich nun handle ohne gegen das Gesetz zu verstoßen, mich aber auch nicht einschränken zu müssen, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe!
Quellen:
Theunert, Helga (2009). Medienkompetenz. In: Schorb/Anfang/Demmler (Hrsg.) (2009). Grundbegriffe Medienpädagogik : Praxis. Bobingen: kopaed
Schmidt, Jan; Lampert, Claudia; Schwinge, Christiane (2010). Nutzungspraktiken im Social Web – Impulse für die medienpädagogischen Diskussion. In: Herzig, Bardo; Meister, Dorothee M.; Moser, Heinz (Hrsg.) (2010). Jahrbuch Medienpädagogik 8 : Medienkompetenz und Web 2.0. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften



